Historische Frauenpersönlichkeiten in Gotha

In meinen Blogbeiträgen als Stadtschreiberin in Gotha habe ich einige Frauen entdeckt, die ich euch hier gesammelt vorstelle. Interessant war, dass das erste Denkmal, das mir in der Stadt ins Auge gefallen ist, war tatsächlich das einer Frau, es zeigt Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1710-1767). Es blieb das einzige Denkmal für eine Frau, das mir begegnet ist, aber dafür fand ich in meiner Wohnung gleich mehrere Broschüren über Frauen in Gotha vor.

Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1710-1767)

Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg wurde am 10. August 1710 als Prinzessin von Sachsen-Meiningen in Coburg als Tochter von Herzog Ernst Ludwig I. und Dorothea Maria von Sachsen-Gotha-Altenburg geboren. eine Tante ihres zukünftigen Gemahls. Damit entstammte sie dem Haus Sachsen-Meiningen. Mit 19 Jahren heiratete sie 1729 in Gotha ihren Cousin Prinz Friedrich, der 1732 als Friedrich III. regierender Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg wurde. Für ihre Zeit wair die Herzogin schon ziemlich emanzipiert und engagiert, sie mischte sich in die Politik ihres Mannes ein und leistete bis zu ihrem Tod am 22. oktober 1767 in Gotha einen bedeutenden Beitrag zur kulturellen Entwicklung Thüringens. Gotha verdankt ihr u. a. die Orangerie von Schloss Friedenstein und ehrt sie jedes Jahr beim Barockfest im Schloss.

Jugendschriftstellerin Marianne Salzmann (1860-xxx)

Bei der Lektüre der insgesamt 200 Seiten der Broschüren habe unter anderem einige Schriftsellerinnen entdeckt, von denen ich zum Teil noch nie gehört hatte. Wie Marianne Salzmann, die 1860 in der Friedrich-Jakobstraße 3 in Gotha geboren wurde. Sie wuchs mit einem Bruder als Tochter eines Steuerbeamten auf und hatte schon als Kind davon geträumt, einmal Lehrerin zu werden. Dieser Traum hat sich erfüllt, sie wurde Lehrerin am Herzogin Marien-Institut und schrieb drei Romane für Jugendliche, teilweise mit regionalem Bezug: „Veronika vom Berge“, eine Geschichte über den 30-jährigen Krieg mit einer Hommage an Herzog Ernst der Fromme, der Schloss Friedenstein erbaut hat, „Flügge Waldvögel“, J eine „Erzählung für die reifere Jugend“, was das wohl heißen soll, „Im Thüringer Forsthaus“. Die Bücher sind antiquarisch noch erhältlich, aber sonst habe ich nichts über die Kollegin gefunden, nicht einmal, wann sie gestorben ist. Aber 1898 wurde sie im zweiten Band des Lexikons deutscher Frauen der Feder von Sophie Pataky vorgestellt und 1914 lebte sie auch noch, denn da hat ein Schüler ihr noch geschrieben.

Dichterin Adelheid Stier (1852-1942)

Ebenfalls Lehrerin war die acht Jahre ältere Dichterin Adelheid Stier, die am 11. Dezember 1852 in Potsdam zur Welt kam und mit 30 Jahren nach Gotha zog. Sie schrieb Gedichte und Aphorismen, die u. a. in das 1900 bei Cotta erschienene Buch „Gedichte“ aufgenommen wurden. Darüber hinaus war sie Mitarbeiterin bei den Jugendzeitschriften „Das Kränzchen“ und „Der gute Kamerad“, von denen ich noch nie gehört hatte. Adelheid Stier starb am 8. April 1942, ein Teil ihrer Werke, u. a. der Text zu dem Hermann Kaulbach Bilderbuch, das sehr bekannt war, ist im Internet zu finden.

Schriftstellerin Gertrud Weymar-Hey (1888-1973)

Neugierig bin ich auf die Werke von Gertrud Weymar-Hey, die am 21. Oktober 1888 in Gotha als Tochter des Kaufmanns Carl Hey geboren wurde. Sie besuchte die höhere Töchterschule in Gotha und begann ihre schriftstellerische Tätigkeit 1905. In dem Porträt in der Broschüre ist davon die Rede, dass ihre Werke „kriminelle Geschehen“ enthalten, sprich: warist nicht Kinderbuch-Kollegin, sondern Krimi-Kollegin 🙂 . „Rhythmus des Lebens“ sei ein Kriminalroman, heißt es. Interessant ist, dass in dem Porträt steht, dass die Autorin 1941 in Görlitz gestorben sei, wohin sie 1912 nach der Heirat mit Herrn Weymar gezogen ist. Der Thüringer Literaturrat vermerkt als Todesjahr „nach 1963“ , vielleicht weil der letzte Eintrag in „Kürschners Deutscher Literatur Kalender“ aus diesem Jahr stammt, wohingegen im Kalliope-Verbund nicht nur 1973 als Sterbejahr angegeben wird, sondern das genaue Sterbedatum: 25. Juli 1973 in Görlitz. 

Friederike Bethmann (1766-1815)

Bekannt über die Gothaer Grenzen hinaus war auch die Schauspielerin Friederike Bethmann, die am 24. Januar 1766 in Gotha geboren wurde. Sie wuchs in Gotha als Tochter des herzoglich-sächsischen Regierungsregistrators Jacques Flittner und seiner Frau Carolina Sophia Augusta Hartmann auf. Ihr Stiefvater Gustav Friedrich Großmann brachte sie mit dem Theater in Kontakt, er war selbst Schauspieler und Sänger und erteilte ihr Gesangsunterricht, sodass sie ihren ersten öffentlichen Auftritt 1777 am Stadttheater in Mainz wahrnehmen konnte. Ihre Karriere auf der Bühne führte sie unter anderem nach Frankfurt, München, Prax und Berlin, wo sie sesshaft wurde und am 15. Oktober 1815 verstarb.

Gothas erste Kindergärtnerin Christine Erdmann

Ja, ich weiß, es heißt heute „Erzieherin“, aber in der Zeit, von der hier die Rede sein wird, waren die Kindergärten gerade erfunden und die Frauen waren teilweise noch von Friedrich Fröbel ausgebildet worden. Der übrigens, das habe ich aus den Beiträgen am Rande erfahren, mehrmals in Gotha gewesen ist! Da ist vor allem Christiane Erdmann, von der übrigens nur bekannt ist, was mit dem Kindergarten bzw. Fröbel zu tun hat. Bei Wikipedia wird als einzige weitere Information 1820 als Geburtsjahr angegeben, einen Beitrag über sie gibt es nicht. Klar ist jedenfalls, dass sie im September 1845 den ersten Gothaer Kindergarten gegründet hat. Ihr Onkel hat ihr die Ausbildung bei Friedrich Fröbel in Keilhau 1844 und 1845 ermöglicht und in Gotha startete sie mit 60 Kindern. Der erste Kindergarten befand sich im Haus des Onkels an der Sundhäuser Gasse 136, danach zog Christiane Erdmann mitsamt der Kinder in die Nähe des Rathauses, Hauptmarkt 31. 1849 sandte Fröbel Christiane Erdmann nach Hamburg, von dort aus ging sie 1851 nach Berlin, wo der Kindergarten allerdings kurz nach der Gründung von der Regierung verboten wurde. Was aus ihr wurde, ist nicht bekannt.

Künstlerin Hannah Höch (1889-1978)

Die bekannteste Künstlertochter der Stadt ist Hannah Höch, sie wurde am 1.11.1889 in Gotha geboren und gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhundert. Bekannt geworden ist sie durch ihre enge Beziehung zum Dadaismus, der ihr sogar den Spitznamen „Mama Dada“ einbrachte. Natürlich kannte ich den Namen Hannah Höch schon vor meiner Gothaer Zeit, aber ihre Verflechtung in die Kulturkreise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war mir nicht präsent. Es hat übrigens ziemlich lange gedauert, bis ihre Heimatstadt sich mit ihr angefreundet hat, heute gibt es Schilder an Geburts- und Wohnhaus, die ersten Ausstellungen ihrer Werke fanden erst in den 1990er-Jahren statt. Erlebt hat sie die nicht mehr, Hannah Höch starb am 31. Mai 1978 in Berlin und ist auch dort in einem Ehrengrab der Stadt Berlin begraben worden.

Unternehmerin Charlotte Sauerbrey (1802-1868)

Es gibt noch so viele andere spannende Lebensgeschichten von Frauen aus Gotha, die kann ich gar nicht alle erzählen, vielleicht noch ein Hinweis auf Charlotte Sauerbrey, die am 25. März 1802 geboren wurde und als junge Frau die Leitung der Gothaer „Colorier-Anstalt“ ihres Vaters übernahm. 1835 heiratete sie den Porzellanmaler Sauerbrey, während ihr Vater und ihr Mann sich um die künstlerische Seite des Kolorierens kümmerten, wachte sie über die Gesamtentwicklung des Unternehmens bis zu ihrem Tod am 7. Oktober 1868.

Die Broschüren in Gotha hat mich übrigens dazu inspiriert, erneut nach vergessenen Hagener Frauen zu suchen und den Rundgang auf ihren Spuren in der Hagener Innenstadt zu konzipieren, da sollen noch Stadtteilrundgänge folgen, aber seit ich damit begonnen habe, zu recherchieren, komme ich zu nichts mehr 😊 © 2026 Dr. Birgit Ebbert www.vergessene-frauen.de

 

We use cookies to personalise content and ads, to provide social media features and to analyse our traffic. We also share information about your use of our site with our social media, advertising and analytics partners. View more
Cookies settings
Accept
Privacy & Cookie policy
Privacy & Cookies policy
Cookie name Active

Who we are

Suggested text: Our website address is: http://vergessene-frauen.de.

Comments

Suggested text: When visitors leave comments on the site we collect the data shown in the comments form, and also the visitor’s IP address and browser user agent string to help spam detection.

An anonymized string created from your email address (also called a hash) may be provided to the Gravatar service to see if you are using it. The Gravatar service privacy policy is available here: https://automattic.com/privacy/. After approval of your comment, your profile picture is visible to the public in the context of your comment.

Media

Suggested text: If you upload images to the website, you should avoid uploading images with embedded location data (EXIF GPS) included. Visitors to the website can download and extract any location data from images on the website.

Cookies

Suggested text: If you leave a comment on our site you may opt-in to saving your name, email address and website in cookies. These are for your convenience so that you do not have to fill in your details again when you leave another comment. These cookies will last for one year.

If you visit our login page, we will set a temporary cookie to determine if your browser accepts cookies. This cookie contains no personal data and is discarded when you close your browser.

When you log in, we will also set up several cookies to save your login information and your screen display choices. Login cookies last for two days, and screen options cookies last for a year. If you select "Remember Me", your login will persist for two weeks. If you log out of your account, the login cookies will be removed.

If you edit or publish an article, an additional cookie will be saved in your browser. This cookie includes no personal data and simply indicates the post ID of the article you just edited. It expires after 1 day.

Embedded content from other websites

Suggested text: Articles on this site may include embedded content (e.g. videos, images, articles, etc.). Embedded content from other websites behaves in the exact same way as if the visitor has visited the other website.

These websites may collect data about you, use cookies, embed additional third-party tracking, and monitor your interaction with that embedded content, including tracking your interaction with the embedded content if you have an account and are logged in to that website.

Who we share your data with

Suggested text: If you request a password reset, your IP address will be included in the reset email.

How long we retain your data

Suggested text: If you leave a comment, the comment and its metadata are retained indefinitely. This is so we can recognize and approve any follow-up comments automatically instead of holding them in a moderation queue.

For users that register on our website (if any), we also store the personal information they provide in their user profile. All users can see, edit, or delete their personal information at any time (except they cannot change their username). Website administrators can also see and edit that information.

What rights you have over your data

Suggested text: If you have an account on this site, or have left comments, you can request to receive an exported file of the personal data we hold about you, including any data you have provided to us. You can also request that we erase any personal data we hold about you. This does not include any data we are obliged to keep for administrative, legal, or security purposes.

Where your data is sent

Suggested text: Visitor comments may be checked through an automated spam detection service.

Save settings
Cookies settings