Dr. Auguste Elbers (1863-1938) – mehr als Fabrikantentochter

Auf Auguste Elbers wurde ich aufmerksam, als ich mich mit historischen Frauen in Hagen beschäftigte und einen Artikel über die engagierte und – auch in Hagen – völlig vergessene Frau von Liselotte Funcke, der Hagener Politikerin, fand. Als ich den Namen Auguste Elbers in die Suchmaschine eingab, bekam ich kaum Informationen über sie, aber immerhin wurden Bücher von ihr angezeigt, ihre Dissertation, Beiträge, die sie über die bedeutenden Hagener Fabrikantenfamilien aus der Gründerzeit geschrieben hat, die fast alle mit ihrer verwandt waren und der Leitfaden für Schülerinnen des hauswirtschaftlichen Unterrichts. Von ihren sozialen Projekten und ihrem Einfluss auf die Entwicklung der Bildungseinrichtungen und der Frauenbewegung in Hagen liest man nichts. Einen Wikipedia-Eintrag sucht man vergebens, obwohl sie sich auf vielfältige Weise um die Frauengeschichte verdient gemacht hat.

Pionierin der Frauenbildung

Der Lebensplan, den die Eltern für Auguste Elbers vorgesehen hatten, entsprach ihrer Zeit: Abschluss des Lyzeums, auswärtiges Pensionatsjahr, Heirat mit einem gut situierten Herrn. Der Tod ihres Vaters, Carl Johann III Elbers, machte diese Pläne zunichte. Auguste war zu dem Zeitpunkt 19 Jahre alt und wurde erst einmal in den Haushalt der Mutter, Luise Christiane Antonie Elbers, geborene Osthaus, einbezogen. Auguste Elbers reichte dieses Lebensmodell allerdings nicht. Sie wollte mehr, was zu jener Zeit, ca. 1883, nicht so leicht war. Sie begann ein Gesangsstudium und brach es ab, um sich in Kassel zur hauswirtschaftlichen Lehrerin an Volksschulen ausbilden zu lassen. Mit dieser Kompetenz kehrte sie 1895 zurück nach Hagen und eiferte ihrem Vater nach, der ab dem Krieg 1870/1871 daran mitwirkte, die Lebenssituation von Arbeitern zu verbessern, er hatte zum Beispiel eine Krankenkasse in seiner Firma eingeführt. Wie ihr Vater suchte Auguste Elbers Mängel im Gemeinwesen, wobei sie ein Augenmerk auf das Leben von Frauen legte. So stellte sie zum Beispiel fest, dass die jungen Frauen nicht gelernt hatten, zu wirtschaften und richtete mit Clara Köppern 1895 Kurse für Hauswirtschaft für junge Frauen ein. Zwei bis zweieinhalb Stunden lernten die Schülerinnen Weißnähen, Schneidern, Plätten und Kochen. Viele Frauen erreichte sie mit den Kursen nicht, deshalb versuchte sie die Stadtoberen zu überzeugen, den entsprechenden Unterricht in der Volksschule für Mädchen einzubinden. Sie verfasste sogar einen „Leitfaden für Schülerinnen des hauswirtschaftlichen Unterricht“ (Hagen: Westfälische Verlagsanstalt), der mindestens 27 Auflagen erreichte, das Buch von 1914 liegt mir vor, bei Ebay war eine 20. Auflage aus dem Jahr 1908 erhältlich. 1901 war sie an der Gründung des Vereins der westfälischen Haushaltslehrerinnen beteiligt und mindestens bis zum Erscheinen des Merkbuchs der Frauenbewegung 1908 dessen Vorsitzende.

Nachdem sie es geschafft hatte, dass die Hauswirtschaft in den normalen Unterricht aufgenommen wurde, nahm sie das nächste Projekt in Angriff: eine private Handelsschule für Mädchen, weil ihr aufgefallen war, dass Frauen in Büro und Verwaltung eine besondere Ausbildung benötigten, die Kaufmannsschule aber nur Jungen aufnahm. Zwei Jahre lang lernten die Schülerinnen in der Schule zehn Stunden in der Woche Deutsch, Rechnen, Handels- und Wechselrecht, Stenographie und Maschinenschreiben. Da die 40 Mark Schulgeld für den Erhalt der Schule nicht ausreichten, suchte sie wieder einen Partner und konnte 1906 die Handelskammer überzeugen, diese Schule zu übernehmen.

Engagement in der Frauenbewegung

Die Liste der Initiativen, mit denen Auguste Elbers das Wohl der Frauen in Hagen verbessert hat, ist lang und sie klingen so modern, dass man sich fragt, ob sie tatsächlich vor über 100 Jahren agiert hat: Der Verein Frauenwohl, den sie am 11.6.1901 mitgründete und deren Vorsitzende sie laut Merkbuch der Frauenbewegung aus dem Jahr 1908 auch zu jener Zeit war, initiierte zum Beispiel 1904 eine Rechtsschutzstelle für Frauen in der Hochstraße 32 in Hagen, eine Beratungsstelle für Frauen und Mädchen zu Ehe- und Rechtsfragen. Brautleute wurden beim Bestellen des Aufgebots über Eheverträge informiert … Vieles gelang ihr nur, weil sie in dem liberalen Oberbürgermeister Willy Cuno einen Verbündeten in Sachen Jugendpflege und Frauenbewegung fand, denn – zu jener Zeit durften Frauen in der Politik noch nicht mitreden.

Auch studieren durften Frauen nicht, als sich jedoch abzeichnete, dass sich das ändern würde und Frauen sich in speziellen Kursen auf Prüfung zur Hochschulreife vorbereiten konnten, war August Elbers gleich dabei. 1910 erlangte sie im Alter von 47 Jahren die Studienberechtigung. 1913 schloss sie das Studium der Staatswissenschaften in Bonn, Freiburg und Heidelberg am 2. Januar 1914 mit der Promotion ab, auch in ihrer Dissertation über „Die Wirkungen der Handwerkergesetze von 1897 und 1908 auf das Schneiderinnengewerbe mit besonderer Berücksichtigung dreier Städte des Rheinlandes“ beschäftigte sie sich mit den Chancen junger Frauen. Doch statt nun im Staat Karriere zu machen, kehrte sie 1914 nach Ausbruch des Krieges nach Hagen zurück, um sich erneut für die Frauen zu engagieren, dieses Mal für die Kriegerwitwen. Sie richtete Nähstuben ein und organisierte für die Frauen einen Kurs, in dem sie Flicken und Kunststopfen lernten, während ihre kleinen Kinder von einem jungen Mädchen betreut wurden. Ihre letzte Wohnstätte hatte sie in einer Etagenwohnung in der unteren Buscheystraße, wo sie Artikel schrieb über die Rechte der Frauen und die Hagener Familien. Wie sie 1938 gestorben ist, habe ich bisher noch nicht herausgefunden. © März 2024 Dr. Birgit Ebbert – www.vergessene-Frauen.dewww.birgit-ebbert.de

(Quelle: Marie Wegner: Merkbuch der Frauenbewegung 1908)

Links

Geschichte der Familie von Dr. Auguste Elbers aufgezeichnet

Information zur Dissertation von Auguste Elbers

Marie Wegner: Merkbuch der Frauenbewegung 1908 (Digitalsat) (Erwähnung Auguste Elbers S. 62, 78, 147)

Lebensdaten von Auguste Elbers und ihren Eltern

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