Heute ist der Tag der Kinderrechte und es wird wieder so getan, als seien diese eine Idee der 80er Jahre. Dabei ist der Gedanke, Kindern eigene Rechte zu geben, über 100 Jahre alt und er stammt von einer Frau, Eglantyne Jebb. Die britische Pädagogin hat zunächst die Kinderhilfsorganisation Save the Children gegründet und damit nach dem ersten Weltkrieg Einzigartiges geleistet, Briten haben für die Kinder der früheren Kriegsfeinde gespendet und der Papst hat dafür gesorgt, dass in den katholischen Kirchen auf der ganzen Welt für die Organisation Spenden gesammelt werden. Dennoch kennt die Frau kaum jemand. Ich gebe zu, ich kannte sie auch nicht, bis mich der Verlag gefragt hat, ob ich einen Roman über sie schreiben würde, der dann den Titel „Ein Geschenk fürs Leben“ bekam.
Das Leben von Eglantyne Jebb
Eglantyne Jebb wurde am 25. August 1876 geboren, studierte an der Lady Margarete Hall und arbeitete kurze Zeit als Lehrerin. Dabei wurde ihr jedoch schnell klar, dass ihr die direkte Arbeit mit Kindern nicht lag. Ihre Berufung war eher das Engagement für Menschen, die es nicht so gut hatten wie sie in ihrer Familie. So arbeitete sie in verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen und war vor und während des Ersten Weltkriegs in Kriegs- und Krisengebieten auf dem europäischen Kontinent unterwegs. Sie hatte mit eigenen Augen erlebt, was der Krieg gerade für Kinder bedeutete. Als sie nach dem Waffenstillstand erfuhr, dass in Deutschland und Österreich aufgrund einer Blockade der britischen Regierung Kinder verhungerten, beschloss sie, etwas dagegen zu tun. Sie sammelte Spenden bei ihren Bekannten in England und stellte sich mit Flugblättern auf den Trafalgar Square, um die Öffentlichkeit wachzurütteln. Zusammen mit ihrer Schwester gründete sie die Organisation „Save the Children“ zunächst in England. Nachdem es ihr gelungen war, Papst Benedikt XV zu überzeugen, ihr Engagement zu unterstützen, wurde in Genf eine internationale Organisation gegründet. Der Papst gab vor, am 27. Dezember, in der katholischen Kirche ist das der Tag der unschuldigen Kinder, in allen Kirchen für Save the Children zu sammeln!
Hilfe mit Kühen und in Kakaostuben
Mit den Spenden wurden Institutionen und Initiativen unterstützt. Es wurden Kühe für Wien gekauft, um die Kinder dort mit Milch zu versorgen, und an Berliner Schulen Kakaostuben eingerichtet, damit die Kinder etwas Nahrhafte zu essen und trinken bekamen. In Gelsenkirchen wurde der Aufbau eines Säuglingsheims unterstützt, weshalb ich einen Handlungsstrang meines Romans ins Ruhrgebiet verlegt habe.
In die Geschichte eingegangen ist Eglantyne Jebb aber, auch wenn sich daran kaum jemand erinnert, als diejenige, die zum ersten Mal grundlegende Kinderrechte formulierte und dafür gesorgt hat, dass diese vom Völkerbund im September 1924 verabschiedet wurden. Viele Länder auf der ganzen Welt haben danach diese Charta der Kinderrechte ratifiziert, in Deutschland wurde sie sogar 1937 ein zweites Mal verabschiedet. Dennoch findet man den Namen Eglantyne Jebb selten im Zusammenhang mit den Kinderrechten. Es entsteht im Gegenteil der Eindruck, die 1959 von der UN verabschiedeten Kinderrechte seien die ersten, die jemals für die Weltgemeinschaft beschlossen wurden.
Ich hoffe, dass ich dies mit meinem Roman ein wenig ändern kann und eine engagierte Frau aus der Vergessenheit holen kann, von der ich nicht einmal in meinem Pädagogik-Studium (!) je gehört habe. Eglantyne Jebb starb am 17. Dezember 1928 in Genf, wo es heute immerhin einen Park mit ihrem Namen gibt. © 2025 Dr. Birgit Ebbert www.vergessene-frauen.de